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Offshore Konverterstation

Horizontalbohrverfahren

Naturschutz und Deichsicherheit durch modernste Bohrtechnik

Naturschutz

TenneT setzt beim Anschluss der Offshore-Windparks modernste Technik ein, um die Eingriffe in die Natur auf ein Minimum zu beschränken. In besonders sensiblen Ökosystemen, wie dem Wattenmeer, wo der Naturschutz strenge Auflagen macht und Eingriffe in die Natur vermieden werden sollen, setzt TenneT das so genannte Horizontalspülbohrverfahren (englisch: Horizontal Directional Drilling / HDD) ein. Der Vorteil dieses Verfahrens: eine grabenlose und unterirdische Kabelverlegung und zugleich eine äußert umweltfreundliche und schonende Verlegetechnik, da Erdarbeiten auf ein Minimum beschränkt werden können. Zudem wird die Deichsicherheit durch dieses Verfahren nicht beeinträchtigt. Konkret funktioniert das so: Mit speziellem Gerät wird ein unterirdischer Kanal gebohrt, in den ein leeres Kabelschutzrohr eingeführt wird. In dieses Kabelschutzrohr kann dann später ein Stromkabel eingezogen werden. Auch fließende Gewässer, Straßen oder Schienen können mit diesem Verfahren unterquert werden. Die Bohrungen können über tausend Meter lang sein und dank innovativer Technik bis auf Zentimeter genau gesteuert werden. Das Horizontalspülbohrverfahren wird in allen Offshore-Netzanbindungen eingesetzt, beispielweise bei der Anlandung der Netzanbindungen an das Festland.

https://tennet-drupal.s3.eu-central-1.amazonaws.com/default/2022-08/Hoizontalbohrung_Video.PNG

Effiziente Kabelbündelung auf Norderney

Der Großteil der Offshore-Netzanbindungssysteme in der westlichen Nordsee verläuft über die Insel Norderney. Der wesentliche Grund, die Insel Norderney zu queren, statt die Trassen für die Netzanbindungen an ihr vorbeizuführen: die starken Strömungen durch Ebbe und Flut. Diese wirken so stark auf den Meeresboden zwischen den ostfriesischen Inseln ein, dass eine sichere Kabelverlegung hier technisch nicht umsetzbar ist.

Bevor TenneT 2006 den gesetzlichen Auftrag erhielt, Offshore-Windparks in der Nordsee an das Stromnetz anzuschließen, planten die Windparkbetreiber mögliche Trassenführungen für die Netzanbindungen auf See selbst. Für die zu diesem Zeitpunkt vor der ostfriesischen Küste geplanten Offshore-Windparks hatten sie insgesamt 14 einzelne Trassen vorgesehen, die alle die Insel Norderney gequert hätten. Diese Lösung wäre technisch nicht realisierbar gewesen, zudem wäre sie mit massiven Eingriffen in Natur und Umwelt verbunden gewesen. Mit Übernahme der Aufgabe durch TenneT wurde dann eine Bündelung der bisher geplanten Trassen über die Insel Norderney beschlossen. Um nicht jede Trasse einzeln über die Insel führen zu müssen, hat TenneT von Sommer 2007 bis Frühjahr 2008 deshalb ein insgesamt eineinhalb Kilometer langes Lehrrohrbauwerk unter der Insel Norderney fertiggestellt. Dieses Bauwerk bietet Platz für mehrere Kabel aus verschiedenen Netzanschluss-Projekten, die ohne aufwändige Erdarbeiten in das Leerrohrbauwerk eingezogen werden können. Der große Vorteil dieses Vorgehens: Bis auf die Erdarbeiten für die Horizontalbohrungen zur Unterquerung des Strandes, der Schutzdünen sowie des Deiches auf Norderney und landseitig in Hilgenriedersiel musste auf Norderney auf diese Weise nicht mehr gegraben werden. Erstmals erfolgreich umgesetzt wurde das Ende Mai 2008 mit dem Kabel für den Anschluss von alpha ventus. Auch die Kabel aus den Netzanschlussprojekten BorWin1, BorWin2, DolWin1 und DolWin2 verlaufen auf ihrem Weg von See Land über die Insel Norderney und werden im Leerrohrbauwerk gebündelt. Aufgrund der Vielzahl an Kabeln sind die Kapazitäten des Leerrohrbauwerks nun allerdings ausgeschöpft.

Horizontalbohrungen für zukünftige Offshore-Netzanbindungsprojekte

Auch in Zukunft soll der Ausbau von Offshore-Windenergie in der Nordsee vorangetrieben werden. Damit einher geht der Bau von Offshore-Netzanbindungen, von denen einige aus geographischen und technischen Gründen über Norderney verlaufen werden. Bislang wurden die Horizontalbohrungen auf Norderney am Grohdepolder und an der Oase ausgeführt. Im Bereich dazwischen wurden die Kabel

im Leerrohrbauwerk gebündelt. Da die Kapazitäten dieses Leerrohrbauwerks jedoch ausgeschöpft sind und TenneT aufwendige Arbeiten für ein weiteres Leerrohr im Nationalpark vermeiden möchte, führte TenneT die Horizontalbohrungen für weitere Offshore-Netzanbindungen von der Mitte Norderneys in Richtung Süden und in Richtung Norden aus. Die Eintrittspunkte für die über 1000 Meter langen Bohrungen befinden sich in der Nähe der Leuchtturms. Diese Arbeiten sind nur in einem engen Bauzeitenfenster von Mitte Juli bis Ende September gestattet.

Seit Mitte Juli 2017 war TenneT im jeweiligen Bauzeitenfenster für die Horizontalbohrungen auf der Insel Norderney aktiv. Diese Arbeiten sind aus Natur- und Küstenschutzgründen nur in einem engen Bauzeitenfenster vom 15. Juli bis 30. September möglich.

Gestartet wurde mit Bohrungen in Richtung Süden und in Richtung Norden für die Netzanbindungen DolWin6 und BorWin5. Diese konnten 2021 abgeschlossen werden.

Auch in den kommenden Jahren stehen Bohrungen für die Netzanbindungsprojekte BorWin4 und DolWin4 an. Diese beiden Projekte werden federführend von Amprion betreut.