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Planung & Methode

Planungsunterlagen und methodisches Vorgehen


Region
Bayern, Hessen
Projektart
Projektunterseite
Kategorie
onshore
Status
preparation
Projekttags
  • Fulda-Main-Leitung
Fulda-Main-Leitung Header

Der Weg zum Korridornetzentwurf

In einem ersten Schritt wurde entlang der Luftlinie zwischen den drei Umspannwerken Mecklar und Dipperz in Hessen sowie Bergrheinfeld/West in Bayern ein großflächiger Untersuchungsraum festgelegt, um alle in Frage kommenden Verbindungen für einen Verlauf zu identifizieren. Die Breite des Untersuchungsraums steht dabei im Verhältnis 2:1 zur Luftlinien-Länge zwischen den Umspannwerken. Bereits bei der Suche nach einem Untersuchungsraum haben die Fachplaner:innen von TenneT mögliche Bündelungsoptionen in die Planung mit einbezogen. Der Untersuchungsraum der Fulda-Main-Leitung wurde aufgrund der nahegelegenen ICE-Strecke Hannover – Fulda – Würzburg und der Gashochdruckloopleitung (GHL) zwischen Sannerz und Rimpar in Richtung Westen erweitert.

Bei der anschließenden Raumwiderstandsanalyse haben die Fachplaner:innen innerhalb des Untersuchungsraums mögliche Auswirkungen einer Höchstspannungsleitung auf verschiedene Schutzgüter, z.B. Siedlungs- und Erholungsgebiete, Landschafts- und Naturschutzgebiete oder Waldflächen betrachtet. Das Konfliktpotential wird dabei in vier sogenannte Raumwiderstandsklassen eingeteilt. Auf diese Weise konnten Bereiche mit sehr hohem Konfliktpotential frühzeitig identifiziert und Räume mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Schutzgüter ermittelt werden.

Im Anschluss an die Raumwiderstandanalyse wurden mögliche Bündelungsoptionen genauer betrachtet. Eine Parallelführung einer Stromleitung mit bestehenden linienhaften Infrastrukturen kann beispielsweise mögliche Umweltbelastungen von Beginn an minimieren.

Die entwickelten Korridore wurden darauf aufbauend miteinander verglichen. Ein Vorschlag von TenneT für einen 1.000 Meter breiten Korridor (Vorschlagstrassenkorridor) sowie weitere infrage kommenden Alternativen wurden mit den Antragsunterlagen auf Bundesfachplanung nach § 6 NABEG eingereicht.

Vertiefende Untersuchungen im Rahmen der Bundesfachplanung

Im weiteren Verlauf hat die Bundesnetzagentur für beide Abschnitte einen Untersuchungsrahmen nach § 7.4 NABEG festgelegt und definiert, welche vertiefenden Untersuchungen vorgenommen werden, um zum Abschluss der Bundesfachplanung den Korridor auswählen zu können, der die geringsten Auswirkungen auf Mensch und Natur hat. Im Untersuchungsrahmen für Abschnitt B sind zudem weitere Prüfaufträge enthalten, die das Korridornetz aus den Antragsunterlagen nach § 6 NABEG erweitern und eine gleichrangige Untersuchung erfordern. 

Im Rahmen der Bundesfachplanung sind folgende Untersuchungen vertiefend vorzunehmen und entsprechende Unterlagen einzureichen.

  • Raumverträglichkeitsstudie (RVS): Die Ressource „Land“ (oder auch „Raum“ genannt) wird in Deutschland auf vielfältige Weise genutzt – zum Beispiel zum Wohnen, für die Industrie, für die Landwirtschaft oder auch zum Zwecke der Erholung. Um die verschiedenen Nutzungsansprüche an den Raum zu koordinieren und abzustimmen, wie der Raum im Sinne eines guten Miteinanders in der Gesellschaft genutzt werden soll, gibt es die „Raumordnung“. Im Rahmen der Raumverträglichkeitsstudie (RVS) wird daher ermittelt, welche Auswirkungen die Fulda-Main-Leitung auf die Raumordnung hat und wie sie damit in Einklang gebracht werden kann. Dabei wird unterschieden zwischen Grundsätzen und Zielen der Raumordnung zur Entwicklung, Ordnung und Sicherung des Raums.
     
  • Entwurf des Umweltberichts zur Strategischen Umweltprüfung (SUP): Im Rahmen der Bundesfachplanung
    gilt es, die möglichen Auswirkungen der Fulda-Main-Leitung auf Umwelt, Mensch und Natur zu ermitteln – dies umfasst zum Beispiel die Bereiche Artenschutz, Natura 2000-Verträglichkeit sowie Immissionsschutz. Alle Ergebnisse der Teilgutachten fließen in den Umweltbericht zur Strategischen Umweltprüfung (SUP) ein. Die Prüfung der Auswirkungen erfolgt anhand der im Folgenden aufgeführten Schutzgüter: Menschen, Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt. Boden, Fläche, Wasser, Luft, Klima, Landschaft, kulturelles Erbe.
     
  • Artenschutzrechtliche Ersteinschätzung (ASE): Zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten einschließlich ihrer Lebensräume vor Beeinträchtigungen durch den Menschen sind auf nationaler und internationaler Ebene umfangreiche Vorschriften erlassen worden, die im Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) fixiert sind. Hinsichtlich der Vereinbarkeit der Planung mit dem BNatSchG erfolgt auf Ebene der Bundesfachplanung eine artenschutzrechtliche Ersteinschätzung (ASE).
     
  • Untersuchungen zur Natura 2000-Verträglichkeit: Im Rahmen der Bundesfachplanung ist zu prüfen, ob die Pläne und Programme mit Gebieten des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 vereinbar sind. Es gilt zu prüfen, ob die Vorhaben innerhalb des Trassenkorridors verwirklicht werden kann, ohne dass die Erhaltungsziele erheblich beeinträchtigt werden. Für alle relevanten Natura 2000-Gebiete wird zunächst unter Berücksichtigung des Verlaufs der potTA eine Natura 2000-Vorprüfung durchgeführt. Für alle Gebiete, für die erhebliche Beeinträchtigungen im Rahmen der Vorprüfung nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden können, sind vertiefende Natura 2000-Verträglichkeitsprüfungen durchzuführen.
     
  • Immissionsschutzrechtliche Ersteinschätzung (ISE): Die durch elektrische und magnetische Felder sowie durch Lärm bei diesem Vorhaben zu erwartenden Emissionen und Immissionen werden in einer Voreinschätzung bewertet.
     
  • Prüfung der sonstigen öffentlichen und privaten Belange (söpB): Da die Raumverträglichkeitsprüfung und die Strategische Umweltprüfung bereits zahlreiche öffentliche und private Belange abdecken, werden hier „sonstige“ öffentliche und private Belange behandelt, die für die Verwirklichung des Vorhabens in dem jeweiligen Trassenkorridor bereits im Rahmen der Bundesfachplanung relevant sein können.
     
  • Wasserrechtliche Einschätzung: Es gilt zu prüfen, wie wasserrechtliche Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes in Verbindung mit den landeswassergesetzlichen Vorschriften und/oder das Verschlechterungsverbot und das Verbesserungsgebot der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bereits auf der Ebene der Bundesfachplanung einer Ersteinschätzung unterzogen werden können. Im Ergebnis steht dann eine fachgutachterliche Beurteilung, ob schutzgutspezifisch hoch empfindliche Bereiche bzw. Kriterien vorliegen, für die spätere Vorhabenzulassung ein potenzielles Zulassungshindernis bilden können.
     
  • Energiewirtschaftliche Belange (EnwB): Im Rahmen dieser Prüfung geht es um die Darstellung der technischen Grundlagen sowie der Machbarkeit, wie und in welcher technischen Ausführung die Korridoren den anderen Unterlagen zugrunde gelegt werden. Inhalte sind allgemeine energiewirtschaftliche Belange, die Herleitung der potenziellen Trassenachse, die Ableitung der Teilerdverkabelungsabschnitte, eine Machbarkeitseinschätzung besonderer Konfliktsituationen sowie eine technisch-wirtschaftliche Bewertung als Grundlage für den Gesamtalternativenvergleich. 

In der aktuellen Broschüre Fulda-Main-Leitung - Der Weg zum Vorschlagskorridor können Sie das methodische Vorgehen und die Ergebnisse der vertiefenden Untersuchungen im Detail nachlesen.

Vergleich der Korridoralternativen

Methodisches Vorgehen beim Gesamtalternativenvergleich

Das von uns untersuchte Korridornetz für die Fulda-Main-Leitung setzt sich aus vielen einzelnen sogenannten Trassenkorridorsegmenten (TKS) zusammen. Aneinandergereiht ergeben diese TKS verschiedene Korridoralternativen – also verschiedene Möglichkeiten, um die Umspannwerke Mecklar und Dipperz miteinander zu verbinden. Um zu ermitteln, welche der Korridoralternativen die geringsten Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt hat, haben wir sie in einem mehrstufigen Verfahren (= Gesamtalternativenvergleich) miteinander verglichen. Im Ergebnis steht unser 1.000 Meter breiter Vorschlagskorridor, in dem die Fulda-Main-Leitung aus unserer Sicht verlaufen sollte, um die geringsten Auswirkungen zu haben. Um nachzuweisen, dass in diesem Korridor ein Leitungsverlauf möglich ist, haben wir eine potTA entwickelt. Die Bundesnetzagentur entscheidet zum Abschluss der Bundesfachplanung unter Beteiligung der Öffentlichkeit und Träger öffentlicher Belange über den finalen Korridor. Anschließend beginnt das Planfeststellungsverfahren, welches mit der Festlegung des genauen Leitungsverlaufs enden wird.

Im Zuge der kleinräumigen Vorvergleiche haben wir einzelne Trassenkorridorsegmente (TKS) oder auch TKS-Kombinationen (TKSK) miteinander verglichen. Im Ergebnis standen dabei TKS, die sich in einzelnen Vorvergleichsbereichen (V01 bis V12) als vorteilhafter erwiesen haben.

Bewertungsschritt 1
Bereiche mit eingeschränkter Planungsfreiheit

  • Riegel mit sehr hohem Konfliktpotenzial und/oder eingeschränkter Konformität aus raumordnerischer Sicht
  • Planerische Engstellen
  • Bündelungsoptionen

 

Auf Grundlage der Vorvergleiche haben wir die TKS zu drei Strängen zusammengefasst (Strang A, B und C), die im nächsten Schritt miteinander
verglichen wurden. Diese Strangvergleiche haben dann einen Korridor hervorgebracht, den wir für den späteren Verlauf der Fulda-Main-Leitung empfehlen würden. Die beiden weiteren Stränge weisen gemäß unseren Untersuchungen Nachteile gegenüber dem Vorschlagskorridor auf.

Bewertungsschritt 2
Qualitative & quantitative Merkmale

  • Flächen mit hohem bis sehr hohem Konfliktpotenzial bzw. erheblichen Umweltauswirkungen in der SUP
  • Flächen mit eingeschränkter Verfügbarkeit aufgrund sonstiger öffentlicher und privater Belange
  • Technische Beurteilung
  • Wirtschaftlichkeit

 

Sowohl die Vorvergleiche als auch die Strangvergleiche wurden entlang drei aufeinander aufbauender Bewertungsschritte durchgeführt. Den Bewertungsschritten liegen jeweils spezifische Bewertungskriterien zugrunde. Der erste Bewertungsschritt hat die höchste Relevanz.

Bewertungsschritt 3
Sonstige vergleichsrelevante Belange

  • Flächen mit mittlerem Konfliktpotenzial in der RVS
  • Flächen mit Konfliktpotenzial in der SUP
  • Besondere Maßnahmenerfordernisse

 

Unser Vorschlagskorridor

Ergebnis des Gesamtalternativenvergleichs

Im Ergebnis des Gesamtalternativenvergleichs steht unser Vorschlag (Strang B), der gemäß unseren Untersuchungen die geringsten Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Natur hat. Der Strang B verlässt das Umspannwerk Mecklar in südöstliche Richtung und nutzt auf seinem Weg Richtung Süden diverse Bündelungsoptionen wie zum Beispiel eine 380-kV-Bestandsleitung, verschiedene 110-kV-Freileitungen, die Bundesautobahn 4 oder vorhandene Erdgasleitungen. Mit einer Bündelungslänge von insgesamt 23,3 Kilometern weist der Strang B den höchsten Bündelungsanteil auf.

Unterwegs quert der Strang B unter anderem Eisenbahnstecken, den Fluss Fulda oder auch verschiedene Bundes- und Landstraßen. Dabei wechselt der Strang B mehrfach zwischen einer südwestlichen und südöstlichen Ausrichtung, um beispielsweise Ortschaften oder andere Konfliktbereiche zu umgehen. Im Umspannwerk Dipperz endet der Strang B, der dort aus nordwestlicher Richtung eintrifft.

Im Vergleich mit den Korridoralternativen ist der Strang B mit einer Gesamtlänge von 53 Kilometern der kürzeste Korridor mit den wenigsten Konfliktbereichen. Die konfliktbehafteten Bereiche können durch geeignete Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen gequert werden, um voraussichtliche erhebliche Umweltauswirkungen zu vermeiden.

Der wirtschaftliche Vorteil des Freileitungsstrangs C wird durch die deutlich geringere Anzahl an belangübergreifenden Konfliktbereichen und Umweltauswirkungen sowie an längeren, raumordnungskonformen Bündelungsmöglichkeiten kompensiert. Im Folgenden sind die Ergebnisse der Bewertungsschritte des Gesamtalternativenvergleichs dargestellt.

Betrachtung der Erdkabel-Option

Bei Wechselstromleitungen gilt die Freileitungstechnologie als Regeltechnologie, d.h. dass Wechselstromleitungen in der Regel als Freileitungen errichtet werden. Das Bundesbedarfsplangesetz (§4 BBPlG) erlaubt Pilotprojekten, die Option der Teilerdverkabelung (TEV) bei Vorliegen von gewissen Ausnahmekriterien auf wirtschaftlich und technisch effizienten Abschnitten anzuwenden. Die Fulda-Main-Leitung wurde im Rahmen der Novellierung des BBPlG im Jahr 2021 als ein solches Pilotprojekt ausgewiesen. Eine genaue Festlegung auf bestimmte Erdkabelabschnitte erfolgt erst im Planfeststellungsverfahren. 

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Kontakt

Thomas Wagner

Thomas Wagner

Referent für Bürgerbeteiligung