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Offshore

Verlorene Jahre beim Netzausbau an Land bremsen „Windernte“ in der deutschen Nordsee

Lesezeit
3 Minuten

Letzte Aktualisierung
29.1.2024

Corporate

  • Anteil des Offshore-Windstroms aus der Nordsee am Windenergie-Gesamtertrag ging im Jahr 2023 erstmals zurück auf 13 Prozent
  • Nordsee-Wind liefert mit gut 19 Terawattstunden rein rechnerisch den Jahresbedarf von sechs Millionen Haushalten

Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT hat im Jahr 2023 rund 19,24 Terawattstunden (TWh)*) Windenergie aus der deutschen Nordsee an Land übertragen. Damit kann rein rechnerisch der Jahresbedarf von rund sechs Millionen Haushalten aus Erneuerbarer Energie gedeckt werden. Das Jahresergebnis 2023 liegt rund neun Prozent unter dem Vorjahreswert: 2022 waren es 21,13 TWh. Durch den gleichzeitig starken Anstieg der Windstromerzeugung an Land kam das Gesamtergebnis in Deutschland im Jahr 2023 auf 148,97 TWh (Vorjahr 122,79 TWh). Der Anteil des Nordseestroms lag 2023 mit rund 13 Prozent etwa vier Prozentpunkte unter dem des Vorjahres (17,2 Prozent).

TenneT-COO Tim Meyerjürgens sagte: „Der Netzausbau an Land macht dank zahlreicher Beschleunigungsmaßnahmen in den vergangenen zwei Jahren nun endlich Fortschritte. Dennoch wirken sich die vielen verlorenen Jahre zuvor inzwischen zunehmend auf die ‚Windernte‘ in der Nordsee aus. Aufgrund der immer noch zahlreichen Engpässe im Stromnetz an Land müssen immer öfter die großen Windparks in der Nordsee abgeregelt werden, weil es kaum noch konventionelle Großkraftwerke im Norden gibt, die stattdessen gedrosselt werden könnten. In der Folge bremst der damit einhergehende sogenannte Redispatch die Erzeugung von Offshore-Windstrom. Das beeinträchtigt nicht nur die Einspeisemengen von Strom, sondern belastet auch dessen Preisentwicklung. Erschwerend kommt hinzu, dass wir dort, wo wir das Bestandsnetz tatkräftig ausbauen und fit machen für die Energiewende, die stromführenden Leitungen temporär abgeschaltet werden müssen, um diese Maßnahmen sicher durchführen zu können. Das alles zeigt, dass Deutschland weiter hohes Tempo machen muss beim Netzausbau und den großen Stromautobahnen, damit das Potenzial der Nordsee als Windkraftwerk Deutschlands und Europas sobald wie möglich effizient genutzt werden kann.“

Weitere Offshore-Bilanz-Daten

In der deutschen Nordsee wurde der Maximalwert der Einspeisungsleistung der Offshore-Windparks im Jahr 2023 am 01. April mit 6.491 Megawatt (MW) gemessen.

Die installierte Leistung der Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee lag am Stichtag 31.12.2023 bei 7.106 MW (Vorjahr 7.036 MW).

Seit Fertigstellung der 13. Offshore-Netzanbindung (DolWin6) im September 2023 hat sich die Offshore-Übertragungskapazität von TenneT auf 8.032 MW in der deutschen Nordsee erhöht (Vorjahr 7.132 MW).

Die installierte Leistung der Windenergieanlagen in der Ostsee beträgt 1.352 MW (Netzgebiet von 50Hertz). Sie haben im Jahr 2023 4,17 Terawattstunden erzeugt (Vorjahr 3,62 TWh), sodass der gesamte Offshore-Ertrag Deutschlands im Jahr 2023 bei 23,41 Terawattstunden lag (davon Nordsee 19,24 TWh).

Zuzüglich 125,56 Terawattstunden*) erzeugter Onshore-Windenergie kommt der Gesamtertrag in Deutschland auf 148,97 Terawattstunden*) (Vorjahr 122,79 TWh).

Der Kapazitätsausbau der Offshore-Windparks in der niederländischen Nordsee lag am Stichtag 31.12.2023 bei 5.622 MW**) (Vorjahr 3.220 MW). In den Niederlanden beträgt die Übertragungskapazität der Offshore-Netzanbindungen von TenneT 4.666 MW** (Vorjahr 3.757 MW). Diese übertrugen im Jahr 2023 11,54 TWh (Vorjahr 7,91 TWh). Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist vor allem begründet durch die Inbetriebnahme des neuen Offshore-Netzanschlusssystems Hollandse Kust (noord) von TenneT sowie entsprechendem Zubau bei den Offshore-Windparks in 2023. Die Onshore-Windenergie-Kapazität in den Niederlanden lag 2023 bei 6.185 MW, mit der 7,96 TWh Windenergie erzeugt wurden (Vorjahr 5,14 TWh).

*) Offshore: Finanziell geförderte Strommengen nach EEG, inklusive 1,097 TWh sonstige Direktvermarktung und inklusive 0,233 TWh unvergütet, wegen negativer Börsenpreise; für 2023 als vorläufiger Ist-Wert. Onshore: vorläufiger Ist-Wert für 2023. In den Strommengen sind für die Monate November und Dezember 2023 zum Teil vorläufige Schätzwerte integriert.
**) Gesamtwert aus direkt ans Onshore-Netz angeschlossenen und via Offshore-Netzanbindungen angebundenen Windenergieanlagen; inklusive „Overplanting“.

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Mathias Fischer

Mathias Fischer

Pressesprecher – Netzausbau Onshore Nord & Offshore, Sektorenkopplung, Energiepolitik und Industriestrategie Nord, Finanzthemen, Flexibilität & Innovationen