Skip to content
SF6-Pilotprojekt Vertragsunterzeichnung 01

Für den Klimaschutz: TenneT beauftragt weltweit erste SF6-freie Schaltanlage auf der Höchstspannungsebene

Lesezeit

3 Minuten

Letzte Aktualisierung

14.11.2022

Corporate

  • Pilotprojekt wird in Zusammenarbeit mit Hitachi Energy realisiert

  • Ziel: natürliche Gase sollen stufenweise Treibhausgas SF6 ersetzen

  • Forderung: neue EU-Verordnung darf Netzausbau nicht verzögern

Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT hat jetzt den Auftrag zum Bau der weltweit ersten gasisolierten metallgekapselten Schaltanlage (GIS) auf Höchstspannungsebene erteilt, die gänzlich ohne das klimaschädliche Isoliergas Schwefelhexafluorid (SF6) auskommt. Die Anlage soll bis 2024 vom Auftragnehmer Hitachi Energy im Umspannwerk Erzhausen (Niedersachsen) errichtet werden und gehört zu TenneTs größtem Wechselstrom-Netzausbauprojekt „Wahle-Mecklar“.

„Durch den Einsatz eines alternativen Gasgemisches anstelle von SF6 wird das Treibhauspotenzial des Isoliergases dieser neue Schaltanlage nur noch rund ein Prozent von herkömmlichen Anlagen betragen“, sagte TenneT-COO Tim Meyerjürgens. „Unser Ziel ist es, stufenweise dazu überzugehen, natürliche Gase zur Isolierung in neuen elektrischen Schaltanlagen einzusetzen, um diesen Wert perspektivisch auf null zu senken. Ab 2025 sollen daher ein Drittel und 2030 bereits zwei Drittel unserer Neubeauftragungen an Dienstleister dieses Kriterium bei TenneT-Schaltanlagen erfüllen. Mit der Beauftragung senden wir ein starkes Signal an den Markt, SF6-freie Schaltanlagen auf Höchstspannungsebene zu entwickeln.“

Die Herausforderungen sind groß: natürliche Gase sind in ihrer Isolationseigenschaft weniger leistungsstark und die Anlagen müssen größer und damit aufwändiger gebaut werden. Auf dem Weg zu einem weitem Einsatz SF6-freier GIS müssen daher zunächst Erfahrungen in Pilotprojekten gewonnen werden, um die neuen Technologien sicher zu erproben und für den Regelbetrieb zu optimieren.

Aktuelle Pläne der EU, über eine Verordnung einen übergroßen Zeit- und Innovationsdruck auszulösen sieht TenneT, wie auch die anderen drei deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), mit großer Sorge. Denn die alternativen Technologien müssen dieselbe sehr hohe Zuverlässigkeit wie die derzeitige SF6-Technologie aufweisen, um weiterhin eine hohe Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Damit für alle Anwendungen im Übertragungsnetz zukünftig Alternativlösungen in diesem Bereich vorhanden sind, müssten alle potenziellen alternativen Technologien in Betracht gezogen und möglichst in Pilotprojekten erprobt werden, fordern die vier ÜNB in einem gemeinsamen Positionspapier.

Wichtig seien daher z.B. Bestandsschutz für bereits installierte SF6-Anlagen, Berücksichtigung von Technologiesicherheit und Marktverfügbarkeit für alle technischen Anwendungen sowie Planungssicherheit für die Energiewende. Andernfalls sehen die vier ÜNB ein signifikantes Verzögerungs- und Sicherheitsrisiko beim Ausbau der Übertragungsnetze. Denn ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Dekarbonisierung der europäischen Volkswirtschaften bis zum Jahr 2045/2050 sind der störungsfreie Betrieb und der zielführende Ausbau der Übertragungsnetze. Dafür sind große Beschaffungsvolumina an erprobten Anlagen und Geräten in einem breiten technischen Angebotsspektrum zwingende Voraussetzungen. Bis diese Volumina zur Verfügung stehen, werden noch mehrere Jahre vergehen.

Um die Entwicklung zu beschleunigen und sicherzustellen, dass die hohe Netzverfügbarkeit gewährleistet bleibt, setzt TenneT Pilotprojekte wie diese SF6-freie 420-kV-GIS um.

Hintergrund

SF6 ist das stärkste bekannte Treibhausgas. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist das SF6-Treibhauspotential 25.200 (AR6) Mal so hoch wie das von CO2. Hinzu kommt, dass sich das Gas nur sehr langsam abbaut. Schwer, mit hoher Dichte, ungiftig, chemisch inert, nicht brennbar - lange Zeit schien SF6 das perfekte Gas für viele Anwendungen im Hochspannungsbereich zu sein und nur Vorteile zu bieten. Doch seit 2007 sind SF6-Anwendungen in der EU verboten - mit einer Ausnahme: In der Elektroindustrie ist SF6 weiterhin erlaubt, weil es bisher alternativlos war. Hier wird es hauptsächlich in Hochspannungsanlagen verwendet, sowohl zur Isolierung als auch zur Stromunterbrechung. Die klimaschädliche Wirkung entfaltet SF6 allerdings nicht im normalen Einsatz in Hochspannungsanlagen, sondern nur dann, wenn es in die Umwelt entweicht. SF6-Emissionen lassen sich nicht vollständig unterbinden, da dieses Gas in der Anwendung nicht zu 100 Prozent abgedichtet werden kann. Auch wenn die SF6-Emission bei TenneT-Betriebsmitteln in Deutschland bereits heute weniger als 0,1 Prozent beträgt, sieht die „SF6-frei-Strategie“ von TenneT vor, dass dieser Wert langfristig auf null gesenkt wird durch den schrittweisen Einsatz neuer Schaltanlagen, die langfristig ausschließlich natürliche Gase zur Isolierung nutzen.

 

Hinweise für Redaktionen:

  • Weitere Infos zum SF6-EU-Thema: BDEW_Novellierung der europäischen F-Gase-Verordnung

  • Weitere Infos zur SF6-Strategie der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber: Umstieg auf SF6-freie Technologien (netztransparenz.de)

  • Bildunterschrift (siehe Bild im Download-Bereich) v.l.n.r.: 
    Pascal Daleiden, Country Managing Director Austria, Germany and Switzerland, Hitachi Energy; Dr. Markus Heimbach, Managing Director High Voltage Products, Hitachi Energy; Sjouke Bootsma, TenneT Director Supply Chain Management; Georg Praehauser, TenneT Director Large Projects Germany; Dr. Florian Martin, TenneT Head of Asset Technology - Asset Management

Kontakt

Mathias Fischer

Mathias Fischer

Pressesprecher - Netzausbau Onshore & Offshore, Sektorenkopplung, Energiepolitik Norddeutschland, Flexibilität & Innovationen