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Meinhard Sean Loftus

Was macht eigentlich ein Teilprojektleiter Genehmigungsplanung Baufreiheit?

Das wollten wir von Sean Loftus wissen. Im Interview erzählt er uns, was sich hinter seiner Berufsbezeichnung verbirgt, wie sein Arbeitsalltag aussieht und warum Baufreiheit ein so wichtiges Thema ist.

Baufreiheit – was darf man sich darunter vorstellen?
Baufreiheit allgemein ist die privatrechtliche und genehmigungsrechtliche Berechtigung oder Freigabe, Grundstücke für den Zweck des Vorhabens in Anspruch zu nehmen – das sind bei Leitungsbauprojekten wie Wahle–Mecklar zum Beispiel Maste und alle bauzeitlichen Flächen- Dies umfasst alle Flächen, die für die gesamte Bauphase eines bestimmten Leitungsbestandteils – beispielsweise eines Masts – erforderlich und damit zu sichern sind Ab einer öffentlichen Straße bis zum Maststandort umfasst das beispielsweise Zuwegungen, Arbeitsflächen, als auch Flächen für Natur- und Artenschutzrechtliche Maßnahmen. Die Erteilung der Baufreiheit hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab und kann daher als Querschnittsbereich innerhalb des Projekts verstanden werden, in dem alle anderen Fachbereiche zusammenlaufen. 

Da geht es zum Beispiel um das Kreuzungsmanagement, also die notwendigen Regelungen bei der Kreuzung von bestehenden Leitungen. Auch die Ausgestaltung und Sicherung von Kompensationsmaßnahmen im Umweltbereich sowie insbesondere die privatrechtlichen, bauzeitlichen und dauerhaften Sicherungen mit Eigentümern der Grundstücke sowie die Zustimmungen der jeweiligen Nutzungsrechte sind für die übergeordnete Baufreiheit wichtig. 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Team Baufreiheit aus? 
Da beim Thema Baufreiheit alle Fäden zusammenlaufen, bin ich viel mit der internen und externen Koordination beschäftigt und trage alle relevanten Informationen aus den einzelnen Fachabteilungen zusammen. 

Dabei arbeiten mein Team und ich sehr dynamisch und praxisnah. D.h. ich kommuniziere mit den Kollegen vom Bau und muss ihnen im Zweifel schnell sagen können, ob für einen bestimmten Leitungsbestandteil (Maste, Mastbereiche, Überspannungsbereiche) bereits die Baufreigabe vorliegt. Wir nennen diese baulich zusammenhängenden Leitungsbestandteile mit all Ihren bauzeitlichen Flächen Cluster. Diese werden gemeinsam mit dem Bau, sprich dem Empfänger all unserer Informationen und Auswertungen, zuvor abgestimmt um die bestmögliche – also vollständige – Grundlage für den uneingeschränkten Bau bereitzustellen. 

Gleichzeitig bin ich im ständigen Austausch mit den Landwirten und deren Interessensvertretern sowie Realverbänden, um Absprachen zu treffen und Genehmigungsfragen zu klären. Selbstverständlich wollen auch die Eigentümer beim gesamten Prozess mitgenommen werden, schließlich ist es ihr Grundstück. Daher ist es wichtig, schnell vor Ort zu sein. Seit 2018 haben wir deshalb unser Projektbüro vor Ort in Göttingen, in welchem ich zunächst allein und mittlerweile mit einer starken Truppe das Thema Baufreiheit und alle Begleitthemen betreue. 

Durch Corona und den fortschreitenden Baustatus hat sich mein Arbeitsalltag verändert. Früher war ich viel mehr unterwegs - während der Kilometerzähler meines Wagens vor Corona noch 100.000 km pro Jahr angezeigt hat, ist es seit Corona „nur“ noch die Hälfte. Mittlerweile kann vieles über Videokonferenzen oder Telefonate besprochen werden. Das spart zwar Zeit, ist aber auch schade, da der persönliche Kontakt verloren geht. 

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Es gibt ständig neue Herausforderungen – das ist genau das, was mir an meiner Arbeit am meisten Spaß macht. Bevor ich die Stelle 2017 angetreten habe, gab es diese Position bei TenneT noch gar nicht und das Projekt hat eine koordinierenden Genehmigungsplaner Stelle mit Fokus Baufreiheit gesucht. Der übergeordnete Bereich Baufreiheit bei Wahle–Mecklar war und ist also quasi ein TenneT-weites Pilotprojekt, welches sich als absolut notwendig und richtig herausgestellt hat. Ich hatte dann im Laufe der Jahre gemeinsam mit dem größer werdenden Team freie Hand, einen neuen Prozess innerhalb des Unternehmens zu entwickeln. Anfangs mussten wir immer neue Lösungen für immer neue Herausforderungen finden. Alle Herausforderungen und Unwägbarkeiten, die sich zum ersten Mal manifestieren sind zunächst unglaublich Zeit- und Ressourcen zehrend, machen aber auch sehr viel Spaß. Noch mehr Spaß macht es allerdings, wenn die Abläufe und Prozesses gespeist aus Lessons Learned dann einfach funktionieren.

Der Prozess der Baufreiheit wird für Wahle–Mecklar vermutlich noch in diesem Jahr abgeschlossen. Das umfasst alle Baulose aller Abschnitte, zuletzt die 7 Baulose des Abschnitts C der Wahle-Mecklar. Gleichzeitig arbeite ich gemeinsam mit den Kollegen noch allgemein am Thema Lessons Learned und der Qualitätsmanagerin Marina Schirmel insbesondere an einer TenneT-übergreifenden Prozessdarstellung für Baufreiheit, welche idealerweise in einer Verfahrensanweisung münden soll. Darin laufen dann alle Erfahrungen aus dem Wahle–Mecklar-Projekt zusammen, um den Prozess für kommende Leitungsprojekte zu vereinfachen. Diese soll ebenfalls noch 2022 abgeschlossen werden.

Wie sind Sie zu TenneT und zu Wahle–Mecklar gestoßen?
Ich komme ursprünglich von der „anderen Seite“ und habe in Göttingen meinen Master in Agrarwissenschaften gemacht. Im Anschluss habe ich lange als Projektleiter im Windenergiebereich gearbeitet und hatte danach vor, mich wieder näher an die Landwirtschaft zu orientieren aber gleichzeitig der Energiewende weiterhin treu zu bleiben. Das Ergebnis, wenn sich zwei Suchende finden, ist meine jetzige Funktion.

Welche Erfahrungen helfen Ihnen bei Ihrem Job?
Mein Wissen über Landwirtschaft ist bei meiner Arbeit von großem Vorteil. Dadurch habe ich ein ganz anderes Verständnis für die Bedürfnisse der Eigentümer vor Ort. Neben der Erfahrung aus dem Studium, den Nebentätigkeiten in der Landwirtschaft, ist auch die Kenntnis der Region von Vorteil – ich komme aus der Lüneburger Heide und habe in Göttingen studiert. Dadurch war ich von Anfang an gut vernetzt und kannte bereits einige Ansprechpartner.

Kontakt

Andreas Jaeger

Andreas Jaeger

Referent für Bürgerbeteiligung Wahle–Mecklar
Dr. Marco Bräuer

Dr. Marco Bräuer

Referent für Bürgerbeteiligung Wahle–Mecklar