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SuedOstLink archäologische Funde

Unser Experte Markus Wiesel erklärt den Umgang mit Bodendenkmälern

Bei einer Gesamtlänge von rund 273 Kilometern in Bayern erwarten wir beim Bau von SuedOstLink mit hoher Wahrscheinlichkeit, auf archäologische Funde zu stoßen. Um die Bauzeit bestmöglich einzuhalten, kommen erstmals sogenannte vorbereitende archäologische Arbeiten zum Einsatz. Markus Wiesel, Teilprojektleiter für den Planungsabschnitt D1 und Mitverantwortlicher für das Themengebiet Archäologie, erklärt im Interview, wie aufwändig TenneT den Boden vor Baubeginn nach archäologischen Funden untersucht.

 

Welcher interessante archäologische Fund konnten im SuedOstLink bisher schon gemacht werden?

Gefunden wurde bisher noch nichts, da wir keine Ausgrabungen durchgeführt und noch nicht mit dem Bau begonnen haben. Wir kennen bisher nur Verdachtsflächen, die im Rahmen von Luftbildauswertungen ermittelt wurden. Entlang der Trasse vermuten wir unter anderem steinzeitliche Siedlungen, die man in Luftbildern an Holzpfählen oder Mauerresten erkennen kann. Eine interessante Entdeckung aus der Luft war eine historische Teichwirtschaft aus dem Hochmittelalter. Früher wurden viele Teiche zur Fischzucht angelegt, die wohl später verschüttet und verfüllt wurden.

 

Was passiert, wenn TenneT beim Bau auf ein Bodendenkmal stößt?

Immer wenn in den Boden eingegriffen wird, muss eine archäologische Baubegleitung anwesend sein. Sobald der Bagger etwas ausgräbt, was einen archäologischen Befund vermuten lässt, wird der Bau gestoppt und Untersuchungen durch Fachfirmen müssen folgen. Je nach Befund kann ein Baustopp einige Wochen und im schlimmsten Fall Monate andauern, beispielsweise wenn ein Gräberfeld oder eine römische Villa entdeckt werden.

 

Bei einem großen Fund könnte es also zu enormen Bauzeitverzögerungen kommen. Wie geht ihr mit diesem Risiko um?

Bereits vor Baubeginn werden relevante Flächen auf archäologische Funde untersucht, um diese rechtzeitig dokumentieren zu können. Dazu haben wir Luftbilder und Fernerkundungsdaten aus Befliegungen des Trassenkorridors ausgewertet und Verdachtsflächen mit Feldbegehungen und geophysikalischer Prospektion näher untersucht. Die so festgestellten Anomalien sind in die Trassenplanung mit eingeflossen. Zudem wurden die Ergebnisse mit Daten zu Bodendenkmälern und archäologischen Vermutungsflächen aus dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege abgeglichen. Viele Bodendenkmäler können bei der Planung auf diese Weise umgangen werden.

 

Sind die Daten aus Luftbildern und Landesamt ausreichend, um anschließend zügig bauen zu können?

Es ist damit zu rechnen, dass im Bau noch etwa ein Drittel mehr archäologische Funde hinzukommen, als vorher im Rahmen der Datenabfragen und Voruntersuchungen ermittelt wurden. Um einen langen Baustopp möglichst zu vermeiden, bereiten wir derzeit auch vorbereitende archäologische Arbeiten vor. SuedOstLink ist das erste Projekt, das so etwas umsetzt, da wir von den zeitlichen Engpässen wissen, die sonst entstehen könnten. Zunächst haben wir genauere Untersuchungsräume definiert, geophysikalische Untersuchungen und Feldbegehungen durchgeführt. Nächstes Jahr sollen dann kabelgrabenbreite Suchschnitte durch einen Oberbodenabtrag mit dem Bagger gezogen werden. Sobald wir innerhalb dieser Suchschnitte archäologische Befunde im Boden entdecken, dürfen diese leider nicht großflächig ausgegraben werden. Aber auf diese Weise führen wir trotzdem eine vorbeugende Risikomitigation durch: Diese soll gewährleisten, dass während der Baumaßnahmen von SuedOstLink keine Zeitverzögerungen aufgrund von unerwarteten archäologischen Funden entstehen.