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Levke und Snorre

Umweltbaubegleitung – die Hüter für Natur- und Tierschutz hinter dem Projekt der Westküstenleitung

Levke Peters mit ihrem Snörre (Bild (c) von Nina Kuzmina)


Mensch, Natur und Umwelt müssen in Einklang mit dem Projekt der Westküstenleitung gebracht werden. Dafür engagieren sich viele Menschen und jeder im Team hat eine wertvolle Aufgabe. 

Wie zum Beispiel das Team der Umweltbaubegleitung. Sie sind die Hüter für Natur- und Tierschutz hinter dem Projekt. 

Levke Peters ist gebürtige Eiderstedterin und nach ihrem Studium in Oldenburg (bei Bremen) und Hamburg gerne wieder in ihre Heimat zurück gekehrt. Der Job als Umweltbaubegleiterin an der Westküste ist für sie mehr als ein Job, er ist für sie – so wörtlich – „eine Herzensangelegenheit“. 

Levke Peters ist 33 Jahre jung, liebt Ausritte in die Natur und Surf-Ausflüge an die Nordsee mit ihrem VW-Bus.

Welche Rolle spielen Sie bei dem Bauvorhaben Westküstenleitung?

„Ich bin die Projektleiterin für die Umweltbaubegleitung (UBB) der Westküstenleitung und arbeite im Auftrag der Gesellschaft für Freilandökologie und Naturschutzplanung (GFN).  Ich begleite den Bau seit über vier Jahren, also genau seit dem Baubeginn des zweiten Abschnitts (Süderdonn-Heide). Wir sind ein Team aus sechs Biologinnen . Wir kontrollieren und dokumentieren die Einhaltung aller Umwelt-Auflagen aus dem  Planfeststellungs-Beschluss. . Hierbei stehen wir den Baufirmen beratend zur Seite und halten engen Kontakt mit den zuständigen Behörden. Ziel ist ein reibungsloser Bauablauf im Einklang mit umweltfachlichen und artenschutzrechtlichen Vermeidungsmaßnahmen. Dabei kommt es vor allem auf eine enge und gute Kommunikation zwischen uns, den Baufirmen und TenneT an.“ 

Sie sind viel unterwegs und draußen auf den Baustellen. Das scheint ein spannender abwechslungsreicher Beruf zu sein.

„Das stimmt. Im Alltag der UBB gleicht kaum ein Tag dem Anderen. Neben der täglichen Büroarbeit sind wir natürlich viel auf den Baustellen präsent.

Voraussetzung für die UBB sind ein gutes ökologisches und artenschutzrechtliches Grundverständnis, eine gewisse Sozialkompetenz und man sollte natürlich wetterfest sein. Umweltbaubegleitung ist meiner Ansicht nach eine moderne und sehr wichtige Seite des Naturschutzes.

Das große Themengebiet der UBB - von Boden- und Gewässerschutz über Artenschutz bis hin zu Einblicken in Themen der Energiewende - reizt mich dabei sehr. An einem für das Klima wichtigen und europaweit bedeutsamen Großprojekt wie der Westküstenleitung mitwirken zu können, das noch dazu in meiner Heimat stattfindet, ist für mich eine Herzensangelegenheit.“

Mit welchen Herausforderungen haben Sie zu tun?

„Ich schätze an der Umweltbaubegleitung, dass ich täglich vor neuen Herausforderungen stehe sowohl umweltfachlicher als auch teils menschlicher Natur. Besondere Herausforderungen stellen hier vor allem artenschutzrechtlich kritische Ereignisse dar. 

So bringt uns tatsächlich die alljährliche Brutsaison der Mastbrüter, dazu zählen unter anderem Kolkraben, Aaskrähen, Turmfalken, Misteldrosseln und Ringeltauben,  immer wieder an unsere Grenzen. Für den Artenschutz wurden dieses Jahr an die 150 Masten von Heide bis Niebüll mehrmals in der  Woche auf Neuanlagen von Nestern überprüft. Ziel war es, eine Ansiedlung zu verhindern, da noch sehr viele Baumaßnahmen wie Seilzugarbeiten oder Ausfleckarbeiten an den Masten anstanden. Wir konnten somit wohl sehr viele Mastbrüter dazu bewegen, sich für dieses Jahr noch andere Nistplätze zu suchen. Doch einige sehr hartnäckige Kandidaten wollten die Penthouse-Wohnung „380 kV-Mast“ einfach nicht aufgeben. Dies zwang die Baufirmen immer wieder zu mehrstündigen Pausen, sodass aus einem Tag Arbeit teilweise drei oder mehr Tage wurden. Seilzugtermine wurden verschoben, um Turmfalken eine ungestörte Brut zu ermöglichen. Monteurkolonnen wurden völlig umdisponiert, um kleinen Küken noch eine Woche mehr Zeit geben zu können. Es ist die Aufgabe unseres UBB-Teams darauf zu achten, dass hier alles für den Artenschutz getan wird. 

Es wurden   mit TenneT und den Baufirmen sehr gute Kompromisse gefunden, die oft nur mit viel Aufwand realisiert werden konnten. Das hat alle Beteiligten viel Kraft und Nerven gekostet und doch ist man durch diese kommunikationsintensive Zeit irgendwie auch näher zusammengerückt , weil alle Schwierigkeiten letztlich gemeinsam bewältigt wurden. 

Wir als UBB haben am Ende der Brutsaison somit jedes Jahr immer unsere sogenannten „Lieblingsmastbrüter“, die uns eben besonders viele Nerven gekostet haben. Oder die   uns staunen ließen, wie anpassbar die Natur doch sein kann, um den Fortbestand der eigenen Art zu sichern.“

Gibt es eine tolle Anekdote, ein besonderes Erlebnis während der Arbeit an der Westküstenleitung?

„Ich sage mal vorsichtig, dass ich mittlerweile ein ganzes Buch voller Anekdoten über den Bau der Westküstenleitung schreiben könnte. Von angeblichen Panthern, die über Baufelder streifen, über Hasenbabys, die allmorgendlich liebevoll von den Baufirmen auf der Baustelle geweckt und vorsichtig außerhalb des Baufeldes verbracht werden. Nicht zu vergessen auch plötzliche Massenwanderungen von Amphibien, die die Baustellen erst einmal lahm legten.

Einmal hat sich auch ein Flussregenpfeifer  die geschotterte Baustraße als Brutplatz ausgesucht und es mussten dann Lösungen in Einklang mit dem Artenschutz gefunden werden, die den  weiteren Bauablauf möglichst reibungslos gewährleisten. Solche spontanen Bruten sind weder vorhersehbar noch vermeidbar.“

Was gefällt Ihnen hier im Norden besonders gut?

„Ich bin gebürtige Eiderstedterin und sehr heimatverbunden. Obwohl es mich nach meinem Abitur erst einmal in die weite Ferne nach Neuseeland verschlug und ich anschließend noch viele Jahre als Studentin das Stadtleben in Oldenburg (bei Bremen) und Hamburg genoss, war mir immer klar, dass es mich zurück an die Westküste ziehen wird. Hier liebe ich den immer wehenden Wind, die einzigartige Landschaft des Wattenmeers mit seinen Halligen, die salzige Luft der Nordsee und vor allem die Menschen. Hier versteht man sich meistens noch ohne große Worte. Durch den Job bei der GFN kam dann der Schritt zurück in die Heimat, der mir auch meine Hobbie-Träume erfüllte: So verbringe ich meine Tage nach Feierabend nun am liebsten beim Ausreiten mit meinem Pferd, begleitet von meinem Hund. Oder ich fahre mit unserem alten VW T2 Oldtimer Camperbus zum Surfen und anschließendem Abendessen ans Meer. Außerhalb von Corona-Zeiten stehen Reisen nach Skandinavien mit unserem Bus ganz oben auf der To Do Liste für jeden Urlaub.“

Sie wollen noch mehr über die wertvolle wichtige Arbeit des GFN erfahren?

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Kontakt

Peter Hilffert

Peter Hilffert

Pressereferent - Onshore für Schleswig-Holstein und Niedersachsen