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Interview Norbert Budde und Anne Breitenbach vom Bürgerverein Beverbruch

Im Interview: Norbert Budde und Anne Breitenbach vom Bürgerverein Beverbruch

Norbert Budde und Anne Breitenbach sitzen vor einem dicken Ordner voller Zeitungsartikel, Briefwechsel, Protokolle und ausgedruckter E-Mails. Die Sonne scheint als wir die beiden Vorsitzenden des Bürgervereins Beverbruch vor Ort zu einem Gespräch treffen.

Herr Budde, Sie haben sich in den vergangenen Jahren wohl am intensivsten mit den Planungen der neuen Leitung Conneforde – Cloppenburg – Merzen beschäftigt. Worum ging es ihnen dabei vorrangig als Sie das erste Mal von dem Projekt gehört haben?

Budde: "Das erste Mal haben wir das Projekt bereits 2014 im Netzentwicklungsplan wahrgenommen. Hier stand natürlich noch kein Verlauf fest. Trotzdem war für uns klar, wenn diese Leitung gebaut wird, müssen wir das im Blick haben. Die "alte" Leitung sollte schließlich ersetzt werden, da kann ja der Neubau nicht allzu weit davon entfernt geplant werden. So zumindest unsere Vermutungen. Sensibilisiert waren wir durch die Vorbelastung hier in der Ortschaft: Als die 220-kV-Leitung in den 1970 Jahren gebaut wurde, zog man einfach eine gerade Linie durchs Land. Auch zu Lasten der Grundstücke von einzelnen Betroffenen. Für uns war deshalb klar, dass die Planungen der neuen Leitung nicht über unsere Köpfe hinweg geschehen sollten."

 

Frau Breitenbach, wann haben Sie gemerkt, dass die neue Leitung  auch ganz konkret Auswirkungen auf Ihr Lebensumfeld haben kann?

Breitenbach: "Wir haben schon früh verstanden, dass die Planungen der neuen Höchstspannungsleitung für uns und die Ortsentwicklung in Beverbruch hilfreich sein könnten, denn die alte 220-kV-Leitung verhinderte aufgrund der neuen gesetzlichen Vorgaben zu den Abständen zur Wohnbebauung aus 2016 die Entwicklung des dringend notwendigen Neubaugebietes am Beverbrucher Damm. Unser Ziel war es, dass die neue Leitung entweder weit genug entfernt von uns verläuft oder aber als Erdkabel unsere Ortschaft quert, so dass das Neubaugebiet umgesetzt werden kann."

 

Das ist ein komplexes Thema: Wie sind sie also vorgegangen?

Budde: "Die Schwierigkeit war, sich zunächst einmal mit unserem Anliegen Gehör zu verschaffen. Insbesondere deshalb, weil es zu diesem frühen Zeitpunkt noch zahlreiche Alternativen für mögliche Leitungsverläufe gab. Wir wurden ständig auf später vertröstet. Trotzdem wollten wir auf keinen Fall abwarten, sondern haben von Beginn an alles dafür getan, die Aufmerksamkeit auf unser Problem zu lenken. So gelang es uns 2017 gleich zwei Mal das Fernsehen für unser Thema zu interessieren. Ein Schlüsselmoment. So kamen wir mit den zuständigen Behörden und auch TenneT ins Gespräch. Ab da fühlten wir uns ernstgenommen."

 

Zu welchem Ergebnis Ihr Engagement am Ende geführt hat?

Budde: "Ab dem Zeitpunkt der Fernsehberichterstattung standen wir in einem engen Austausch mit verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von TenneT und dem Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems in Oldenburg. Man hatte uns verstanden. Gemeinsam haben wir dann mit TenneT und der Genehmigungsbehörde nach einer Lösung gesucht, wie das Neubaugebiet trotz Neu- und Rückbau der Höchstspannungsleitungen in Beverbruch möglichst schnell in die Umsetzung kommen kann. Die Lösung war die Planung eines Erdkabels bis zum künftigen Umspannwerk in Garrel/Ost sowie eine Bestätigung der Raumordnungsbehörde, dass die Planungen des Neubaugebiets den Planungen der Höchstspannungsleitung somit nicht mehr im Wege stehen. Eine Sonderlösung – wir hätten sonst erst mit Planfeststellunsgbeschluss Planungssicherheit für das Neubaugebiet gehabt. So konnte das Areal am Beverbrucher Damm in 2019 genehmigt werden. Das war ein großer Erfolg des Beverbrucher Bürgervereins."


Breitenbach: "Unsere Sorge war zu Beginn vor allem, dass wir mit unseren Anliegen nicht gehört werden. Zudem wussten wir einfach nicht genau, wann nun was genau von wem entschieden wird. So haben wir von Anfang an auf Präsenz gesetzt: Wir haben jede Infoveranstaltung entlang der geplanten Trasse besucht, sind auf eigene Faust zur Genehmigungsbehörde gefahren und haben immer wieder zum Telefonhörer gegriffen. Zudem stand der gesamte Bürgerverein hinter uns. So haben wir gemeinsam etwas erreicht und sind auch heute sehr stolz darauf." 

 

Welche Empfehlungen können Sie anderen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Budde: "Im Zweifel am Anfang ruhig "laut" sein, beispielsweise über Presseberichterstattung, um  seine Anliegen zu platzieren." 

Breitenbach: "Aber man muss sich dann auch im Klaren darüber sein, dass die Planungen einer neuen Stromleitung gesetzlichen Grenzen und damit engen Spielräumen unterliegen. Darüber muss man sich von den dafür zuständigen Personen informieren lassen in Form von E-Mails, Newslettern oder Anrufen. Deshalb sollte man keine Scheu haben, sich feste Ansprechpartner zu suchen und dort gezielt nach Informationen zu fragen. Zumeist ergeben sich daraus wichtige Hinweise, die TenneT intern prüft und auch mit den Behörden abspricht, wie im Fall der Erdverkabelung bei Beverbruch. 

Budde: "Ja, das stimmt. Man erreicht deutlich mehr, wenn man miteinander statt immer nur übereinander spricht. Von einem sachlichen und konstruktiven Austausch profitieren im Endeffekt alle Teilnehmenden auf beiden Seiten."

Kontakt

Eva katrin maier

Eva Katrin Maier

Referentin für Bürgerbeteiligung