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Ostbayernring Freileitung

Freileitungen und Vogelschutz

Dem Vogelschutz kommt bei Freileitungen eine besondere Rolle zu. Zwar sind die auf den Leitungen sitzenden Vögel ein vertrautes Bild, jedoch stellen Masten und Seile auch Hindernisse dar – je nach Größe und Bauart. Sehr gering sind die Gefahren bei den von Tennet eingesetzten Höchstspannungsleitungen, was durch den Abstand rund um die Leiterseile begründet ist. Zudem können Markierungen optisch vor der Leitung und vor einem Zusammenstoß warnen.

Die Versorgung mit Elektrizität ist eine Grundlage unseres Lebensstandards. Der Energietransport verläuft seit etwa 100 Jahren zuverlässig durch oberirdische Stromleitungen, oft mit einer Nutzungsdauer von 50 Jahren und mehr. Viele der im 20. Jahrhundert konstruierten Freileitungen bergen jedoch Risiken für die Vogelwelt, durch Stromschlag oder Kollision: Die größten Gefahren gehen hier vom Mittelspannungsnetz aus, zu dem beispielsweise auch die Oberleitung der Bahn gehört. Dagegen stellt das von TenneT betriebene Höchstspannungs-Stromnetz mit den konstruktionsbedingt großen Abständen rund um die Leiterseile ein deutlich niedrigeres Risiko für Vögel dar. Zusätzliche Verbesserungen für die Vogelwelt lassen sich in allen Netzen noch mit Änderungen der Trassenführung, der Mastkonstruktionen sowie Markierungen bewirken.

 

Höchstspannung vs. Mittelspannung: Unterschiedliche Gefahren

Für manche Vogelarten bieten Freileitungen sogar Vorteile, zum Beispiel als Nistplatz. Vor allem Mittelspannungsnetze sind aber eine Gefahrenquelle. Vögel können hier durch Kurz- oder Erdschlüsse zu Tode kommen. Berührt ein Vogel mit den Flügeln den (geerdeten) Mast und sitzt gleichzeitig auf einem Leiterseil, kommt es zum Stromschlag. Neben diesem Erdschluss besteht für Vögel die Gefahr des Kurzschlusses zwischen Leiterseilen. Aufgrund der großen Abstände passiert dies bei unseren Höchstspannungsleitungen nur äußerst selten. Hier ist der Abstand zwischen den einzelnen Leiterseilen so groß, dass selbst Vögel mit großen Flügelspannweiten ihn nicht überbrücken können. Bei den Mittelspannungsleitungen und Oberleitungen der Bahn sind die Abstände zwischen Leiterseilen und Isolatoren dagegen geringer und es kommt bei größeren Flügelspannweiten zur Überbrückung. Das Übertragungsnetz von TenneT birgt damit weniger Risiken als das untergelagerte Mittelspannungsnetz. Im Sinne einer ganzheitlichen Sicht auf die Energieverteilung ist jede Verbesserung beim Vogelschutz natürlich auch im Interesse von TenneT.

 

Verbesserungen im Mittelspannungsnetz

Übrigens gibt es heute schon Mittelspannungs-Freileitungen, die als sicherer für die Tierwelt gelten. Bei diesen Varianten hängen die Leitungen beispielsweise tiefer unter den Traversen, so dass die Gefahr des Stromschlags minimiert ist. Oder es wird an den Mittelspannungsmasten eine Schutzabdeckung im Bereich der Isolatoren angebracht, die einen Erdschluss verhindern soll. Im Jahr 2011 wurden die technischen Standards zur Vermeidung des Stromtods von Vögeln an Mittelspannungsmasten in der Anwendungsregel des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. festgelegt. Damit liegen klare Regeln zum Vogelschutz an den Mittelspannungsmasten vor: Einerseits für den Neubau von Masten und andererseits zur Entschärfung bereits bestehender Mastkonstruktionen. Seit 2012 ist diese Vorgabe für neue Leitungen auch im Bundesnaturschutzgesetz geregelt.

 

Vogelschutzmarker senken Kollisionsrisiko

Jede Freileitung stellt beim Anflug ein Hindernis dar und ist damit eine Gefahrenquelle. Bei Höchstspannungsnetzen ist für Vögel beim Anflug vor allem das einzelne Erdungsseil an der Spitze schwer auszumachen. Um das Kollisionsrisiko auch hier zu senken, werden Markierungen an den Erdungseilen befestigt, die das Konstrukt sichtbarer machen. Das Design wurde 2002 auf Grundlage einer Analyse von Gefiederfarben, Signalwirkungen und Flugverhalten der vorkommenden Vogelarten entwickelt: Schwarze und weiße Lamellen – einem Zebrastreifen ähnlich – erzeugen einen blinkenden Effekt und richten sich damit gezielt an das Sehvermögen und Verhalten der Vögel. Das Hindernis wird damit sichtbarer und die Vögel können rechtzeitig die Flughöhe ändern. Untersuchungen konnten bestätigen, dass die Opferzahl durch Markierungen um durchschnittlich 70 Prozent verringert wird. Davon profitieren alle: Mit der sinkenden Kollisionsgefahr können wir als Betreiber des Übertragungsnetzes auch die Planungssicherheit erhöhen. Installiert werden die Vogelschutzmarker per Helikopter – eine aufwendige, aber effiziente Form der Installation. Die Leitungen müssen hierfür nicht abgeschaltet werden.

 

Viele Maßnahmen für den Vogelschutz

Während der Baumaßnahmen müssen Netzbetreiber außerdem noch zahlreiche weitere artenschutzrechtliche Auflagen und Nebenbestimmungen berücksichtigen. Dies können Einschränkungen in der Bauzeit sein, witterungsabhängige Bodeneingriffe und Schaltungen sowie rechtliche Bedingungen zur allgemeinen Flächennutzung. Die Einrichtungen von Zufahrtswegen und Arbeitsflächen müssen frühzeitig abgestimmt werden. Darüber hinaus müssen lange vor der ersten Nutzungen Kartierungen betroffener Tierarten durchgeführt werden. Eine ökologische Baubegleitung verfolgt den Neubau und Rückbau der Leitungen, ebenso wie die Einrichtung von Nisthilfen und Ausgleichsflächen – und vieles mehr.