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Bos foto Natur

Der Region ein Stück Natur zurückgeben: Kompensationsmaßnahme Horstbüsche

Ein maßgeblicher Planungsaspekt eines jeden Leitungsbauprojektes ist die Analyse der sich daraus ergebenden Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Als Teil des Planfeststellungsverfahrens entwirft TenneT ein konkretes Maßnahmenkonzept, mit dem Beeinträchtigungen vermieden, minimiert oder kompensiert werden können.

Warum überhaupt Kompensationsmaßnahmen?

Das Bundesnaturschutzgesetz legt fest:

Bundesnaturschutzgesetz(BNatSchG)

 

„Der Verursacher eines Eingriffs ist verpflichtet, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und
Landschaft zu unterlassen (...). Unvermeidbare Beeinträchtigungen [sind] durch Maßnahmen des
Naturschutzes und de Landschaftspflege auszugleichen (Ausgleichsmaßnahmen) oder zu ersetzen
(Ersatzmaßnahmen)" (§15 BNatSchG).

Unsere Partner in Sachen Kompensation: Die Niedersächsischen Landesforsten

Mit über 300.000 Hektar von der Nordseeküste bis zum Harz sind die niedersächsischen Landesforsten (NLF) größter Waldeigentümer Niedersachsens. Sie bieten neben der Holzproduktion im Rahmen der Forstwirtschaft verschiedene Dienstleistungen an. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei der Geschäftsbereich Flächenmanagement und Naturdienstleistungen, in dem die NLF Bauvorhabenträgern die Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen für unvermeidliche Eingriffe in Natur und Landschaft anbietet. Nachhaltigkeit steht hier themenübergreifend im Fokus.

Im Projekt Conneforde-Cloppenburg-Merzen hat TenneT die Niedersächsischen Landesforsten mit der Umsetzung der umfangreichen Kompensationsmaßnahmen beauftragt. Im Speziellen geht es hier darum, Eingriffe in Gehölze und Waldbereiche im Leitungsverlauf auszugleichen.

 

 

Teil eines Ganzen: TenneT in den Horstbüschen

Einer der großen Kompensationsflächenpools im Leitungsbauprojekt Conneforde – Cloppenburg – Merzen liegt in dem Waldgebiet ‚Horstbüsche‘ im Zentrum des Ammerlandes. Die Niedersächsichen Landesforsten setzen hier auf einer Fläche von insgesamt 38 Hektar Kompensationsmaßnahmen für verschiedene Vorhabenträger um. TenneT ist mit 13,45 Hektar zu mehr als einem Drittel an diesem Flächenpool beteiligt.  

Jann Mumme, für den Flächenpool zuständiger Förster für Waldökologie, Naturschutz und Naturdienstleistungen der NLF, sieht in diesem Maßnahmenkomplex eine große Chance: „Indem wir im Flächenpool Horstbüsche für mehrere Vorhabenträger gleichzeitig Maßnahmen umsetzen, entwickeln und pflegen wir eine große, zusammenhängende Waldfläche unter vorrangig naturschutzfachlichen Gesichtspunkten. Der Vorteil hierbei liegt darin, dass die Maßnahmen in Wechselwirkung zueinanderstehen und sich gegenseitig verstärken.“ Auch Lukas Scheithe, Genehmigungsplaner bei der TenneT, sieht in einem solchen Maßnahmenkomplex Vorteile: „Je größer eine Fläche ist, desto weniger Störfaktoren können in dessen Mitte von außen einwirken. So ist beispielsweise die Artenvielfalt in einer großen zusammenhängenden Fläche viel stärker ausgeprägt als in mehreren kleinen Flächen. 

 

Schlau kombiniert: Multifunktionale Kompensation

Das Thema Kompensation ist sehr komplex, da der Begriff oftmals in unterschiedlichen Zusammenhängen mit verschiedener Bedeutung gebraucht wird. Wenn wir von Kompensation sprechen, unterscheiden wir bei Eingriffen in Gehölze und Wälder die Kompensation aufgrund der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung (vgl. § 15 BNatSchG) von der Kompensation aufgrund einer sogenannten Waldumwandlung (vgl. § 8 NWaldLG). Diese können kombiniert, also multifunktional dargestellt werden. Dadurch reduziert sich auch der Flächenverbrauch für die Kompensationsmaßnahmen insgesamt. 

„Zudem kombinieren wir verschiedene erforderliche Maßnahmen für einen Eingriff und setzen sie so um, dass beispielsweise artenschutzrechtliche und naturschutzrechtliche Belange gleichzeitig und sich gegenseitig verstärkend in einer solchen multifunktionalen Maßnahme kompensiert werden“, erklärt Mumme. 

 

Schauen wir mal genau hin: Was passiert in den Horstbüschen?

Die Horstbüsche wurden in der Vergangenheit intensiv forstwirtschaftlich genutzt. In diesem Zuge wurden die damals stark grundwasserbeeinflussten Standorte der zuvor schwer nutzbaren Waldfläche zur forstlichen Erschließung durch Gräben entwässert und der natürliche Bodenwasserhaushalt somit langfristig aus dem Gleichgewicht gebracht. Monotone Nadelwaldbestände mit dem seinerzeit vorrangigen Ziel der Holzproduktion und eine für die Waldbewohner eher einseitig gestaltete Umgebung prägten das Bild.

Mit der Entwicklung dieses Waldgebiets als Kompensationsflächenpool wechseln die Niedersächsischen Landesforsten in den Horstbüschen von einer forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung in eine dauerhafte, naturschutzfachliche Pflege und entwickeln nun wieder eine natürliche Waldgesellschaft mit funktionierendem Bodenwasserhaushalt. Hierfür wird ein feuchter Eichen-Hainbuchen-Mischwald etabliert, welcher keinen holzwirtschaftlichen Zwängen mehr unterliegt und ungestört altern darf. Jann Mumme führt weiter aus: „Anstelle von geraden und möglichst langen astfreien Stämmen, wie sie für die forstwirtschaftliche Nutzung gewünscht waren, werden nun astreiche, verzweigte Bäume mit großer Baumkrone und rauer Borke gefördert. Solche Bäume sind als Habitat, also als Lebensraum für Tiere, äußerst wichtig. Auch das Verbleiben von deutlich mehr Totholz im Waldgebiet ist wichtiger Bestandteil eines solchen Habitats.“ 

 

Neue Lebensräume für Specht und Fledermaus

Grauschnäpper, Mittelspecht und Star – sie alle sind heimisch im Gebiet des Trassenbaus. Um den Lebensraum dieser Vögel zu erhalten, werden frühzeitig vor Baubeginn Nistkästen in den Horstbüschen ausgebracht, sodass die Tiere die neuen Quartiere annehmen und ihr Habitat schon erweitern können, bevor sich im Zuge der weiteren Waldentwicklung im Flächenpool ausreichend natürliche Höhlen und Habitate entwickelt haben.

Und auch weitere Bewohner finden Berücksichtigung bei den Kompensationsmaßnahmen: Die Breitflügelfledermaus, die Fransenfledermaus, der Große Abendsegler, die Rauhautfledermaus und die Zwergfledermaus. Um die ökologische Funktion von Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der verschiedenen Fledermausarten im räumlichen Zusammenhang weiterhin zu erfüllen, sieht der TenneT-Maßnahmenplan zusätzlich die Schaffung von seminatürlichen Fledermausquartieren vor. Die Niedersächsischen Landesforsten sägen hierfür zum Beispiel der Natur nachempfundene Höhlen in Baumstämme und hängen zusätzlich Fledermauskästen auf.

 

In die Zukunft gedacht

Die Wiederherstellung eines natürlichen, artenreichen Mischwaldes und eine Förderung der Habitate der Waldbewohner sind das Ziel von TenneT und den Niedersächsischen Landesforsten in der Umsetzung der Kompensationsmaßnahmen. Das Naturschutzrecht verlangt eine Pflege der Kompensationsmaßnahmen für den gesamten Zeitraum der Dauer des Eingriffs, in diesem Fall also für den Zeitraum des jahrzehntelangen Betriebs der Stromleitung. TenneT und die NLF haben eine entsprechend langfristige Vereinbarung getroffen.

 

 

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Kontakt

Eva katrin maier

Eva Katrin Maier

Referentin für Bürgerbeteiligung