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Salzburgleitung

Das Leitungsbauernest – von den Alpen auf die Freileitungen

Das Iseltal in der Region Osttirol ist das „Leitungsbauernest“: Ein großer Teil der Freileitungsbauer in Europa stammt aus diesem einen Tal unterhalb des Großglockners. Auch der Ostbayernring entsteht mit Hilfe der Mastensteiger aus den Alpen. Für den Abschnitt C zwischen Redwitz und Mechlenreuth ist unter anderem das Leitungsbauunternehmen Cteam aus Österreich beauftragt.

Begonnen hat alles mit nur einer einzigen Baustelle: Eine im Iseltal geplante Stromleitung führte quer durch das alpine Gelände. Für deren Bau wurden daher gebirgsfähige Leute gebraucht. So wurden Anfang der 1990er Jahre vor Ort Arbeitskräfte gesucht: Junge Landwirte, Tischler, Zimmerer, aber auch Kellner, Berg- und Skiführer, Steiger und Kletterer. Zwei Jahre dauerten die Bauarbeiten. Doch auch nach dem Ende des Projekts blieben die zuvor rekrutierten Freileitungsbauer dem damaligen Unternehmen und dem Tal treu und bauen bis heute unter anderem Leitungsnetze in Österreich, der Schweiz und in Deutschland.

Aus der einstigen Baustelle im Gebiet um die Gemeinde Matrei bis ins Pinzgau ist unter anderem das Leitungsbauunternehmen Cteam hervorgegangen, dass auch beim Ostbayernring tätig ist. Noch immer sind die meisten der 90 Mitarbeiter Freileitungsmonteure aus dem Iseltal sowie aus dem Oberkärntner und Pinzgauer Raum. Und sie sind nicht die einzigen: Die Monteure von einem halben Dutzend Leitungsbauunternehmen stammen ebenfalls zu weiten Teilen aus Osttirol.

 

Routine und Einsatz

Der Österreich-Geschäftsführer von Cteam, Alexander Zojer, hat seinen Werdegang selbst als Mastensteiger und Leitungsbauer begonnen. Sein Vorgänger war einer der ersten Freileitungsbauer aus Osttirol. Die spannendsten Einsätze finden oft zu Hause in Österreich statt: an Leitungen im Gebirge, auf Höhen über 2000 Meter und mit Masthöhen von 90 Metern. Zu vielen Maststandorten können die Trupps hier nur mit Hubschraubern gelangen. Die größte Begeisterung packt das Team, wenn sie wirklich helfen können und sie im alpinen Bereich nach Stürmen mit Stockbäumen und Notgestängen als Provisorien die Bevölkerung schnell wieder mit Strom versorgen können. Aufgrund der soliden Arbeiten beim Bau der Leitungen und der regelmäßigen Kontrollen sind Schäden an Freileitungen die absolute Ausnahme. Im Bayerischen Höchstspannungsnetz ist im letzten Jahrzehnt nur einmal eine Ausnahmesituation eingetreten: Im September 2018 kamen durch Sturmtief Fabienne im unterfränkischen Stadelschwarzach TenneT-Masten zu Schaden. Allerdings führte dies nicht zu Stromausfällen.

 

Ausbildung

Wie lernt man das Klettern und gibt es eine Ausbildung? Noch immer können auch Quereinsteiger „aufsteigen“. Und so finden sich Arbeitskräfte aus unterschiedlichen Berufen wieder. Natürlich gibt es eine Steigerschulung – mit echten Bergführern. Die Handhabung des technischen Leitungsbaus ist inzwischen aber genormt und mit Zertifikaten gesichert. Wichtig sind zum Beispiel Spannungsprüfungen, Erdungen, gegenseitige Kontrolle und viele Kennzeichnungen. Und nicht zuletzt die Achtsamkeit: Denn eine Gefahr ist bei der Arbeit in der Höhe immer gegeben. TenneT und die Mastensteiger achten daher gleichermaßen auf die Sicherheit beim Bau der Freileitungen. Denn Stress darf es bei dem luftigen Arbeitsplatz nicht geben.

Mit Blick auf die Sicherheit hat das Iseltal mit seinen Mastensteigern einen naturgegebenen Vorsprung. Mit dem Großglockner, dem höchsten Berg Österreichs vor der Haustür, sind die Kletterer steile Höhen gewohnt: Die Täler sind eine gute Schule für den Leitungsbau. Es zählen Muskelkraft, Ausdauer und vor allem der Zusammenhalt: Freileitungsbau ist Teamwork. Die Kletterer „oben“ müssen sich auf „unten“ verlassen können. Und umgekehrt. Jeder denkt mit.

 

Durch Handarbeit zur Energiewende

Freileitungsbau ist Handarbeit – Seilzugmaschinen oder Kräne können nicht überall eingesetzt werden. Daher müssen auch heutzutage speziell ausgebildete Kletterer die Masten besteigen und Hand anlegen. So paradox es klingt: Die Energiewende und die eng verbundene Digitalisierung wären ohne die klassische, schwere Handarbeit nicht möglich. „Da braucht es Muskelkraft, Schweiß und Blut, sonst könnte die Energiewende nicht gestemmt werden“, spitzt es Alexander Zojer gern zu. Verlassen müssen sich die Mastensteiger weniger auf große technische Maschinen als vielmehr auf ihr handwerkliches Können und das entsprechende Werkzeug.

Die Aufträge haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Erst 2019 ist die Energiewende voll im Leitungsbau angekommen. Vorher waren Instandsetzungen das Geschäft, heute wird viel neu gebaut. Die Arbeiten am Ersatzneubau Ostbayernring sind für die Mastensteiger also keine Ausnahme.

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