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Bundesnetzagentur bestätigt Bedarf des Abschnitts Raum Lübeck – Raum Göhl als Wechselstromleitung

Im Dialog zur Planung der Ostküstenleitung taucht häufig die Frage nach einer Gleichstrom-Leitung zwischen Göhl und Schwerin mit einer Einspeisung in den SuedOstLink auf. Innerhalb des Konsultationsverfahrens zum Netzentwicklungsplan 2035 hat sich die Bundesnetzagentur mit dieser Variante beschäftigt, bestätigt jedoch erneut die geplante Wechselstrom-Lösung zwischen Raum Lübeck und Raum Göhl. Dieser Beitrag erläutert die Hintergründe und Vorteile der gesetzlich festgelegten Netzplanung.

Gleich- und Wechselstrom im Überblick 

In diesem Zusammenhang ist der Unterschied zwischen Gleich- und Wechselstrom von zentraler Bedeutung. Aufgrund der unterschiedlichen Vor- und Nachteile haben Gleich- und Wechselstrom im Höchstspannungsnetz jeweils andere Einsatzgebiete. Gleichstrom bietet für lange Distanzen ideale Voraussetzungen, da dabei im Vergleich zu Wechselstrom nur sehr geringe Übertragungsverluste entstehen. Demzufolge entsteht bei dem Transport von Gleichstrom verhältnismäßig weniger thermische Energie (Wärme), was zu geringeren Übertragungsverlusten führt. Der größte Nachteil besteht  jedoch in der verlustreichen Umwandlung zwischen Wechsel- und Gleichstrom. Das geschieht in sogenannten Konvertern, die am Anfang und am Ende einer Gleichstromleitung für die Umwandlung sorgen und große Umwandlungsverluste haben. Der Transport von Gleichstrom ist daher nur bei langen Distanzen effizienter als der Transport von Wechselstrom, denn nur auf langen Distanzen übertreffen die Einsparungen durch geringere Übertragungsverluste auf der Leitung die Aufwendungen für Konverter und die dortige Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom. 

Ein weiterer Nachteil ist, dass Gleichstromverbindungen reine „Punkt-zu-Punkt-Verbindungen“ sind. Das bedeutet, dass sie nur genau einen Start- und einen Zielpunkt haben können. Die dezentrale Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien erfordert jedoch ein Übertragungsnetz mit vielen Knotenpunkten (Umspannwerke), an denen Energie dynamisch in unterschiedlichen Spannungsebenen eingespeist und über das angeschlossene Verteilnetz an die Verbraucher abgegeben oder von dezentralen Energieerzeugern aufgenommen werden kann. Dieses „vermaschte“ Höchstspannungsnetz lässt sich nur als Wechselstromnetz effizient aufbauen. Es wird zwar bereits an der Möglichkeit zur Verknüpfung mehrerer Gleichstromleitungen gearbeitet, diese sogenannten „Multi-Terminal-Lösungen“ stehen aber heute noch nicht zur Verfügung – und selbst wenn es sie gibt,  wäre eine Gleichstromverbindung weiterhin nur auf langen Strecken effizient zu betreiben. Denn die Verlustleistung der großen Konverter- bzw. Terminalstationen bleibt bestehen. 

Anforderungen in Ostholstein – Konsultation im Netzentwicklungsplan 

In der Bestätigung des Netzentwicklungsplans Strom 2021 - 2035 hat sich die Bundesnetzagentur nun unter anderem mit dem Vorschlag auseinandergesetzt, statt der aktuellen Wechselstrom-Planung eine Gleichstromtrasse zwischen Göhl und Schwerin zu bauen (durch die Ostsee oder via Pohnsdorf/Lübeck). Im Ergebnis kommt die Bundesnetzagentur jedoch zu dem Schluss, dass eine 380-kV-Wechselstromtrasse erforderlich ist, denn der Bedarf einer neuen Leitung Raum Lübeck – Raum Göhl ergibt sich aus einer Überlastung im untergelagerten 110-kV-Verteilnetz durch den Ausbau Erneuerbarer Energien im Raum Göhl. Die dort erwarteten Einspeiseleistungen sind zu groß für das 110-kV-Netz, aber zu klein für eine Gleichstromverbindung. Eine Gleichstromverbindung hat einen größeren Einzugsbereich, beispielsweise ganze Offshore-Windparks oder mehrere Höchstspannungsleitungen, sodass sie dauerhaft ausgelastet ist. 

Die 380-kV-Ostküstenleitung wird an allen drei geplanten Umspannwerken im Raum Göhl, Raum Lübeck und Kreis Segeberg mit dem 110-kV-Verteilnetz sowie anderen 380-kV-Leitungen verknüpft. So kann je nach Bedarf an diesen Umspannwerken Energie aufgenommen oder abgegeben werden. Eine Gleichstromleitung wäre dazu aus oben genannten Gründen nicht in der Lage. 

Es zeigt sich, dass beide Technologien ihre Berechtigung haben und das Höchstspannungsnetz in Deutschland künftig weder ohne Wechselstrom noch ohne Gleichstrom zuverlässig, sicher und wirtschaftlich sein kann. Im vermaschten Wechselstromnetz können Gleichstromübertragungen jedoch nur in bestimmten Fällen ihre Vorteile ausspielen. Die Bundesnetzagentur legt daher die Technologie der einzelnen Leitungsbauvorhaben ganz bewusst fest. TenneT ist damit verpflichtet, die festgelegte Technologie einzusetzen. 

Die möglichen Wechselstrom-Alternativen zu einer 380-kV-Freileitung wurden in der Vergangenheit bereits in einem Blogartikel kommentiert.

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Kommunikationsteam Ostküstenleitung